Lauter Trolle

Hallo Ihr Lieben,

wir hatten heute einen sehr trolligen Tag. Und das kam so…

Bei mal wieder strahlendem Sonnenschein und herrlich blauem Himmel sind wir heute Vormittag in Svolvaer auf ein kleines Bötchen gestiegen und haben uns von Skipper Louis durch die Gegend schippern lassen. Und damit hätten wir dann auch schon den ersten Troll des Tages. Denn Louis ist ein total trolliges (naja, eigentlich eher drolliges) kleines portugiesisches Kerlchen. Gerade mal 1,60 Meter klein, aber riesig sympathisch und total verliebt in seine Lofoten. Ein Südeuropäer hier im hohen Norden. Die innerliche Hitze hat er aber anscheinende genetisch eingebaut. Zumindest war er der Einzige an Bord unseres komplett offenen 12-Personen-Bötchens, der in Flipflops unterwegs war. Seine Passagiere waren hingegen von der Haarwurzel bis zu den Zehen in die wind- und wasserdichte Outdoor-Pelle gewickelt. Denn – Sonnenschein hin oder her – hier oben pfeift durchaus ein recht frisches Lüftchen. Erst recht, wenn man mit 40 km/h im wie gesagt komplett offenen Boot über’s Meer brettert.

Die Trolle Nummer 2 und 3

Troll Nummer 1 – also Louis – hat uns in einer rund einstündigen Fahrt von Svolvaer zum Trollfjord gefahren. Rundherum gab’s wieder ein Bergpanorama zu bestaunen, dass einfach unbeschreiblich ist. Stellt Euch einfach vor, dass Ihr irgendwo in den schweizer Alpen steht, sagen wir mal auf einer Höhe von rund 2.000 Metern. Rundherum seht ihr nur schroffe Bergspitzen und nackten Felsen, die steil emporragen. Genau so ist der Ausblick hier. Nur, dass man sich hier auf Meereslevel bewegt und diesen Ausblick eben auch vom Schiff aus hat. Hammermäßig!!! Den einen oder anderen Seeadler gab’s unterwegs auch noch zu beschauen. Aber vor lauter Panorama blieb einfach nicht genug Kuck-Kapazität übrig, um diese Tierchen ausreichend zu würdigen.

Kommen wir nun zu Troll Nummer 2 – dem Trollfjord. Die Einfahrt in den Fjord war echt der Kracher: Die Berge ragen zu beiden Seiten um die 1.000 Meter senkrecht aus dem Wasser empor und an seiner engsten Stelle ist der Fjord nur 100 Meter breit. Kaum zu glauben, dass selbst die dicken Hurtigruten-Schiffe im Sommer hier hineinfahren. Die MS Nordkapp von unserer Tour vor zwei Jahren ist 20 Meter breit und 123 Meter lang. So ein dickes Schiff muss am Ende des nur zwei Kilometer langen Trollfjords auf der Stelle um 180 Grad wenden. Anders geht’s nicht wieder raus. Deswegen fahren die Hurtigruten in der Regel auch nur im Sommer und auch dann nur bei gutem Wetter in den Fjord. Denn ganz einfach ist dieses Manöver definitiv nicht.

Weiter ging es mit Troll Nummer 3 – Fred, dem Troll. Irgendwo im Fels der westlichen Fjord-Wand haben die lustigen Einheimischen eine kleine Troll-Figur platziert. Von Bord eines Hurtigruten-Dampfers ist er sicher nicht zu sehen, aber mit unserem kleinen Bötchen konnten wir ganz nah an die Wand heranfahren, sodass wir Fred, den Troll, mit seinen nur rund 20 cm Größe aus nächster Nähe betrachten konnten.

Vom Turbo-Flitzer auf Gemütlich-Modus

Von Fred und seinem großen Bruder, dem Fjord, noch total überwältigt, ging es mit unserem Bötchen ratzfatz wieder raus aus dem Fjord und über den Raftsund rüber auf die kleine Insel Skrova. Dort haben wir das Gefährt gewechselt und sind von unserem schnellen Motor-Flitzer in komplett Mucki-betriebene Kajaks umgestiegen. Und – ja, ich wiederhole mich – was war das wieder für ein Panorama!!! Das Wasser unter unserem Kajak war teilweise nur einen Meter tief, sodass der Sand vom Grund deutlich zu sehen war und das Wasser richtig türkis wirkte. Ein Gefühl wie mitten in der Karibik, aber dazu eben diese wahnsinns Bergkulisse rundherum! Und so sind wir mit Guide Louis zwei Stunden übers Wasser gepaddelt. Schade nur, dass die hier auf den Lofoten irgendwas mit der Zeit gemacht haben müssen. Einstein könnte das bestimmt erklären, aber wir verstehen absolut nicht, warum die Zeit hier so flott vergeht. Zu Hause bei der Arbeit sind zwei Stunden auf jeden Fall deutlich länger als hier…

Troll Nummer 4

Von Skrova aus ging es gefühlt viel zu früh mit dem schnellen Flitzer wieder zurück nach Svolvaer. Dort sind wir dann erst einmal schnell in den Supermarkt geflitzt, damit Patrick für heute Abend ein Bierchen einkaufen konnte. Denn samstags wird in Norwegen nur bis 18 Uhr Alkohol verkauft. Gestern ging er leider schon leer aus, als wir um 20.30 Uhr noch Bier kaufen wollten. Unter der Woche gibt’s das nur bis 20 Uhr. Tja, muss man eben wissen…

Anschließend haben wir uns am Hafen ganz gemütlich draußen in ein Café gesetzt. Und siehe da, heute gab’s dort auch wieder Milch (bei unserem Besuch hier Anfang der Woche war die Milch ja leider aus…). Mit leckerem Milch-Kaffee ausgestattet haben wir rund eine Stunde überbrückt bis zum Auftritt von Troll Nummer 4 – der MS Trollfjord, einem der 12 Hurtigruten-Schiffe, die an der norwegischen Küste auf und ab fahren.

Kirstin hatte den festen Plan, auf das Schiff zu kommen, um sich dort in Ruhe umzuschauen. Praktischerweise hupen die Hurtigruten immer in einer Laustärke, die auf den ganzen Lofoten zu hören sein dürfte, wenn sie im Anflug sind. Wir konnten uns also passend am Steg platzieren, um die Einfahrt und das Parkmanöver aus fünf Metern Entfernung betrachten zu können. Es ist schon ein Mordsspektakel, wenn ein neunstöckiges Hochhaus auf einen zurauscht und mal eben so mit fünf Handgriffen am Steg angeknotet wird. Es sieht vor allem sehr witzig aus, wenn ein Gefährt, dass höher ist als jedes Hafengebäude, hinter eben jenen Gebäuden vorbeischwimmt, um sich durch die enge Hafeneinfahrt zu bugsieren. Patrick und ich waren sehr skeptisch, ob Kirstins Plan von der Bordbegehung aufgeht. Aber sie hatte Recht, es war überhaupt kein Problem. Einfach reinspaziert – guten Tag, wir würden uns gerne mal umschauen – kein Problem, habt Ihr denn ’nen Pass dabei – na klar – sehr schön, hier Eure Besucherausweise, viel Spaß! Und zack waren wir an Bord und konnten alles ausgiebig inspizieren. Was für ein Spaß!

Zum krönenden Abschluss unseres Troll-Tags gab’s selbst zu Hause von der Couch aus wieder ein Highlight zu sehen. Kaum ist die Sonne weg und man schaltet das Licht im Wohnzimmer aus, sieht man sie auch schon wieder tanzen, die Nordlichter! Ohne Worte!!!

Liebe Grüße,

Eure Mählina

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