Lofoten-Safari

Freunde, was für ein Tag!

Dieser startete damit, dass wir zwei Stunden lang immer weiter auf der E10 gen Süden gefahren sind, unzählige Foto-Stopps und zig Millionen Fotos gemacht haben, bis wir am Ende der Lofoten angekommen waren. Na ja, eigentlich noch nicht ganz das Ende, aber zumindest das Ende, was man mit dem Auto erreichen kann: der Ort Å. Von dort aus hat man einen traumhaften Blick auf das offene Meer und die beiden äußersten Inseln der Lofoten, Værøya und Røst. Dorthin kommt man allerdings nur noch mit dem Boot. Wir sind eine halbe Ewigkeit auf den Felsen am Ende von Å rumgekraxelt und haben mindestens noch mal eine Million Fotos gemacht. Und das natürlich wieder bei strahlendem Sonnenschein.

Kaffeedurst im Freilichtmuseum

Nach der Kraxelei sind wir noch nach Å „Downtown“ gelaufen. Was für ein schnuckeliges Kaff! In ca. 200 Schritten waren wir einmal komplett durch den Ortskern gelatscht. Zu schnell darf man hier auf den Lofoten nicht sein, sonst verpasst man aus versehen ganze Ortschaften. Sage und schreibe 100 Einwohner hat der Ort und er wirkt wie aus einem Freilichtmuseum entsprungen. Es gab dennoch ganze zwei Cafés – das eine hatte allerdings geschlossen und in dem anderen war die teure Jura kaputt, sodass es nur Filterkaffee mit Milch gab. War trotzdem lecker. Viel wichtiger aber: Dazu hatten wir Zimtschnecken, für die Å anscheinend berühmt ist. Und in der Tat, die waren sehr lecker! Und von dem tollen Panorama muss ich ja wahrscheinlich nicht nochmal berichten – ohne Panorama geht hier auf den Inseln echt nicht!

Mobile Ortsbegehung in Reine

Der nächste nennenswerte Ort auf der Strecke zurück gen Svolvaer war Reine. Eigentlich sind wir nur durch den Ort gefahren und nur ganz kurz auch mal für 100 Schritte ausgestiegen. Damit hatten wir dann auch alles gesehen, was der Ort so an Häusern hergibt. Eigentlich wollten wir von hier aus den Berg Reinebringen besteigen, weil man von dort oben angeblich DAS Lofoten-Postkartenmotiv schlechthin vor die Nase bekommt. Aber der Wanderweg nach dort oben ist aktuell aus Sicherheitsgründen gesperrt, weil dort Wanderer umgekommen sind und der Weg nun erst einmal aufwendig befestigt wird. Allerdings muss ich auch sagen, dass wir uns vom Ort aus betrachtet tatsächlich gefragt haben, wo zum Henker dort ein Weg gewesen sein soll.

Andere Wandermaßstäbe

Und überhaupt: Die uns geläufige Wanderweg-Kategorisierung in flach, moderat und steil kennt hier keiner. Hier gibt es nur die Kategorien steil, senkrechte Bergflanke und Himmelfahrtskommando. Die ganzen Lofoten bestehen aus Bergen, die fast pyramidenartig aus dem Wasser oder dem nahegelegenen Inland emporragen. Für Kletter-Freaks ein wahres Eldorado. Aber für Flachlandtiroler wie uns echt eine Hausnummer. Und dabei würde ich meine beiden Sherpas Kirstin und Patrick noch nicht mal als ungeübt bezeichnen. Die haben mich schließlich schon über etliche Berge in diversen Ländern geschleppt.

Über den Berg zum Strand

Es musste also eine andere Wanderung her. Die Wahl fiel auf eine Tour zur wunderschönen Bucht von Kvalvika, die mit einem herrlichen Sandstrand und türkisfarbenem Wasser lockt. Wir also flux rüber auf die Westseite der Lofoten, rein in die Wanderschuhe und um 15 Uhr ging es dann auch „schon“ los mit der Wanderung. Auch an diesem Berg war von unten nicht zu sehen, wo denn dort ein Weg lang laufen soll. Aber unterwegs war tatsächlich so etwas wie ein Weg – oder nennen wir es besser eine etwas breiter geratene Ameisenstraße – zu erkennen. Unerfreulicherweise führte der Weg aber von Anfang an über ziemlich matschiges Terrain. Die Hufe, äh Füße, meiner beiden Sherpas haben bei jedem Schritt wunderbar schmatzende Geräusche erzeugt. Das Gematsche ging erst noch über „nur“ deutlich ansteigendes Gelände, aber dann über Steigungen, bei denen man auch schon mal die Hände zu Hilfe nehmen musste. Kirstin hatte schon echt Angst vor dem Abstieg…

Panorama kurz unter den Wolken

Oben auf einem Bergrücken angekommen hatten wir ein sensationelles Panorama: Zu unserer Linken und zu unserer Rechten tolle Fjorde und das Meer westlich und östlich der Lofoten gleichzeitig in Sicht! Hammermäßig! Vom Westen drückten konstant Wolken die Bergflanke nach oben, sodass wir teilweise wie in Watte eingepackt durch Wolkenfetzen gelaufen sind. Oberhalb der Bucht von Kvalvika haben wir dann unsere Tour beendet bei einem wahnsinnig tollen Ausblick, der für jede Anstrengung belohnt hat. Wir hatten einfach keine Lust, uns diesen schlammigen Weg auf der Ostseite nach unten zu kämpfen, nur um kurz an den Strand zu können und dann wieder die ganze Schlammpiste nach oben krabbeln zu müssen, weil wir ja zurück auf die Westseite zum Auto mussten. Außerdem hatte Kirstin schon schlimmste Befürchtungen, dass der Abstieg in einer wahren Schlitterpartie enden würde. Also Aussicht auf Kvalvika in vollen Zügen genossen, Schnittchen vertilgt und zurück Marsch Marsch!

Abstieg ohne Schwierigkeiten

Der Abstieg hat sich glücklicherweise als deutlich leichter erwiesen, als wir befürchtet hatten. Ok, an einer Stelle mussten wir tatsächlich rückwärts klettern, um uns mit den Händen gut festhalten zu können, und an vielen anderen Stellen war der mitgeschleppte Wanderstock Gold wert. Aber wir sind sicher wieder unten angekommen. Allerdings sahen wir alle aus wie Sau nach Schlammbad. Insgesamt waren wir etwas über drei Stunden für die 7 km Strecke unterwegs (was bei den den diversen Foto-Stopps und Mittagessen am Berg nicht verwunderlich war) und haben knapp 700 Höhenmeter überwunden.

Auf der Rückfahrt haben wir einfach nur den Ausblick genossen: Die Sonne ging langsam auf der Westseite unter und tauchte alles in ein schönes rotes Licht. Wir waren aber zu ko und tatsächlich auch verschwitzt-verfroren, um noch mal anzuhalten. Also wurden die Fotos während der Fahrt aus dem Fenster geschossen. Bis auf eine Ausnahme…

Meet the locals

Wir hatten nach der Wanderung schon irgendwo Warnschilder gesehen, die auf einheimische Tiere hinweisen. Und Kirstin sagte noch, dass sie ja auch gerne mal so ein Tierchen in freier Wildbahn sehen will. Und keine halbe Stunde später stehen dann plötzlich zwei dieser Tierchen fröhlich am Straßenrand: Elche! Das bedeutete natürlich erst mal, dass der Verkehr zum Erliegen kam – na ja, nicht ganz so schlimm. Aber natürlich blieben alle am Straßenrand stehen und fotografierten, was das Zeug hielt. War sehr lustig anzusehen: Erst dachten alle Herankommenden nur „Was stehen denn da für Idioten auf der Straße?“, fuhren genervt weiter, um beim Anblick der Elche selber in die Eisen zu steigen und so die Straßensperre noch etwas länger zu machen.

Was für ein krönender Abschluss für diesen herrlichen Tag! Jetzt sind wir alle frisch geduscht und gestriegelt, aber total im Eimer und fallen gleich in die Betten. Morgen wir auch wieder ein spannender Tag…

Liebe Grüße,

Eure Mählina

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