Good Bye Südinsel

Hallo Ihr Lieben,

ich melde mich heute gerade live von der Fähre zwischen Picton und Wellington. Wir haben damit die Südinsel Neuseelands verlassen und werden nach 3,5 Stunden Überfahrt über die Cook Strait auf der Nordinsel und in Neuseelands Hauptstadt Wellington ankommen.

Wie Ihr Euch vorstellen könnt, haben wir auch in den letzten Tagen natürlich wieder unbeschreiblich viel gesehen. Als Nachtrag zu meinem letzten Artikel muß ich Euch noch berichten, dass die Muscheln, die wir auf der Wanderung zum Taupo Point am Strand selber gesammelt haben, einfach fantastisch waren! Nach dem Putzen der Dingerchen zeigte sich zwar, dass es keine reine Miesmuschelsammlung war, sondern sich auch einige Grünlippenmuscheln eingeschlichen hatten. Aber das war vollkommen egal, weil wir beide Muschelarten sehr gerne mögen. Zwei Abende haben wir davon gegessen, weil wir über 2 Kilo gesammelt hatten.

In Sachen selber gefangenes Essen ging es dann auch schon bald weiter. In den Marlborough Sounds haben wir uns zwei entspannte Ruhetage gegönnt. Wir haben dort auf zwei wunderbar ruhig gelegenen (und mal wieder kostenlosen bzw. mit 12 NZD sehr günstigen) Campingplätzen übernachtet – direkt am Wasser. Patrick hat die Zeit genutzt und ist mit seiner Angel auf die einheimischen Fische losgegangen. Allerdings haben wir bei einheimischen Fischen eher an Tierchen mit Schuppen, einer Rückenflosse, zwei Brustflossen und einer ganz normalen Schwanzflosse gedacht – Fische eben. Was Patrick da aber wieder an der Angel hatte (Ihr erinnert Euch: in Akaroa hat er bereits einen Hai geangelt!) entsprach jetzt nicht unbedingt unserer Definition eines ganz normalen Fisches. Er hat doch tatsächlich einen 1.5 Meter langen Stachelrochen geangelt!!!

Ihr könnt Euch vorstellen, wie blöd wir alle geschaut haben, als Patrick das platte Tier nach gut 45 Minuten Kampf endlich soweit ans Ufer gezogen hatte, dass wir erkennen konnten, was es ist. Wir haben nur einige Fotos gemacht (als Beweis, denn das glaubt einem ja sonst wieder keiner!) und dann die Schnur gekappt und das Monster wieder abzischen lassen. Die Dame vom DOC, die abends die Gebühr für den Campingplatz einsammeln kam, antwortete zwar auf unsere Frage, ob es hier Stachelrochen gibt, mit einem deutlichen Nein. Aber als wir ihr unser Fotos zeigten, sagte sie dann nur noch, dass das sehr wohl nach einem Stachelrochen aussieht… Das Ding war halt eben definitiv ein platter Rochen, hatte einen langen Schwanz und auf dem saß gut erkennbar ein Stachel… Also ein Kugelfisch war es auf jeden Fall nicht…

Einen essbaren und absolut ungefährlichen Fisch mit dem wohlklingenden Namen Kahawai hat Patrick aber auch noch gefangen (und diesen gab es dann abends lecker zubereitet direkt frisch auf den Teller).

Weiter ging es nach Picton. Diese Stadt haben wir nur rund 1,5 Stunden lang besichtigt und uns dort die Tickets für die Fähre heute besorgt. Städte sind ja nicht so unser Ding. Also ging es schnell weiter – obwohl Picton definitiv nicht hässlich ist. Da wir nicht den schnellen und weniger hübschen Weg in Richtung Kaikoura nehmen wollten, sind wir über eine kleine Seitenstraße immer an der Küste entlang gefahren. Eine sehr kurvige Angelegenheit und dann verschwand auch noch irgendwann der Straßenbelag. Nur auf Schotter ging es rund 30 Kilometer durch enge und teilweise steile Kurven bergauf und bergab. Wir waren uns an so manch einer Stelle nicht wirklich sicher, ob unser 2.8 Tonner das packt. Aber er hat es brav gepackt und uns an einen der tollsten Campingplätze gebracht, den wir hier bisher gesehen haben: In die Robin Hood Bay. Dort haben wir mal wieder in erster Strandreihe mit traumhaftem Ausblick und dem Rauschen der Wellen in den Ohren übernachtet. Und als Zugabe gab es am nächsten Morgen noch einen wunderschönen Sonnenaufgang dazu.

Als nächstes stand Kaikoura auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin sind wir am Ohau Point Lookout vorbei gekommen. Der Lookout war an sich gar nicht so spannend – wären dort nicht mehrere Hundert Seehunde gewesen! Wahnsinn, in so einer riesigen Menge haben wir diese verpennten Tiere bisher noch nirgendwo gesehen. Und wir haben hier echt schon sehr viele tolle Seehund-Kolonien gesehen. Ganz faul lagen diese drolligen Tierchen da wieder einfach so pennend auf den Steinen rum. Und das über mehrere Kilometer direkt an der Straße entlang.

Rund 20 Kilometer weiter kam Kaikoura in Sicht. Dieses kleine Örtchen ist geografisch und geologisch betrachtet ein ganz besonderer Ort. Denn nur hier und an zwei anderen Stellen auf der Welt fällt das Kontinentalschelf im Meer 800 Meter von der Küste entfernt bis in eine Tiefe von mehr als 1.000 Meter ab (was normalerweise immer erst viel weiter entfernt von der Küste der Fall ist). Das bedeutet wiederum, dass hier ein idealer Lebensraum für viele Meerestiere ist, die es ansonsten nur viel weiter draußen auf dem Meer gibt.

Kaikoura ist deswegen die Heimat von Pottwalen (und jahreszeitbedingt auch anderen Walen), die hier bis auf einige hundert Meter an die Küste herankommen. Es gehört also zum Pflichtprogramm eines Kaikoura-Besuches, auf Whale Watching Tour zu gehen. Und genau das haben wir getan. Wir haben so etwas schon auf Vancouver Island in Kanada gemacht und haben dort nur aus ziemlich großer Entfernung einen Orca gesehen. Wir haben uns von der Tour hier zunächst also gar nicht so wahnsinnig viel versprochen. Aber wir wurden mal wieder eines Besseren belehrt. Denn die Tour hier war der Hammer! Aus nächster Nähe haben wir einen Pottwal an der Wasseroberfläche beobachten können und dann auch noch überaus fotogen mit der Schwanzflosse in die Höhe gereckt abtauchen sehen! Waaaaaaahnsinn!!! Diese Tiere sind einfach gigantisch groß und so irre anzusehen. Und wo kann man schon mal einen Pottwal so nah beobachten??? Den gibt es (zum Glück) in keinem Aquarium zu bestaunen.

Es war schon sehr lustig, wie an Bord des Schiffes ein wahres Klick-Klack-Blitz-Zoom-Film-Fotografier-Gewitter losging, als die Meeresbiologin an Bord sagte „Achtung Leute, ran an die Kameras – Der Wal taucht ab!“. In den folgenden 10 Sekunden – bis auch der letzte Zipfel der Schwanzflosse majestätisch im Wasser verschwunden war – sind an Bord mit Sicherheit rund 10.000 Fotos entstanden, die jeden Millimeter Fortschritt des Abtauchens dokumentieren…

Während der Wal (namens Tiaki) da so an der Wasseroberfläche langsam und mit meterhohen Wasserfontänen spektakulär anzuschauen vor sich hin geatmet hat, kam irgendwann ein Seehund ins Bild. Er ist immer neben und hinter dem Wal hergeschwommen, als würde er sagen wollen „Hallo! Aufmerksamkeit! Hier!!!“. Echt putzig und ja, er hat seine Aufmerksamkeit bekommen (spätestens als der Wal abgetaucht war und wir auf sein Wiederauftauchen gewartet haben, was er rund 20 Minuten später auch sehr ansehnlich getan hat).

Auf dem Weg zurück in den Hafen sind wir dann auch noch in eine riesige Delfin-Schule geraten. Dutzende Flipper waren zunächst nur in der Ferne zu sehen, kamen dann aber direkt an unser Boot heran und sind gesprungen, getaucht, haben sich gedreht und mit dem Boot gespielt. Man wusste gar nicht, wohin man schauen sollte, so viele Tiere waren da um uns herum.

Nach diesem unbeschreiblich tollen Erlebnis mußten wir uns erst eimal bei unserem Nachmittags-Genießer-Kaffee mental wieder sammeln und dann bei schneller Durchsicht der Wal-Foto-Ausbeute direkt wieder ins blanke Staunen und Schwärmen zu verfallen. Anschließen sind wir zu einer Seafood-Bude gefahren, die etwas außerhalb vom Stadtzentrum direkt an einer kleinen Uferstraße liegt und sich dank einer „Lonely Planet“ Bewertung einer weltweiten Beliebtheit erfreut. Dort haben wir uns die „Seafood Platter“ gegönnt. Es gab Grünlippenmuscheln, Abalone, White Bait, Jakobsmuscheln, Languste und noch 4 andere Fischfilets mit Reis, Brot und Salat. Fazit: Sehr lecker und frischer geht es nicht! Denn die Meerestiere werden quasi hinter der Bude frisch aus dem Wasser gezogen und direkt in die Pfanne geschmissen!

Eine weitere Seehund-Kolonie stand auch in Kaikoura auf der „Must See“ Liste. Und tatsächlich: Direkt auf dem Parkplatz nur 3 Meter vor unserem Auto lag ein pennendes Exemplar mal wieder einfach nur so rum. Aber ansonsten war kein Familienmitglied in Sicht, so dass wir nach einigen Minuten schon wieder weitergezogen sind.

Die letzte Nacht haben wir – mal wieder kostenlos – an einem herrlich wilden schwarzen Strand verbracht, an dem Patrick bis zur vollkommenen Dunkelheit angeln konnte (und Kirstin fast quietschend vor Freude über die ganzen tollen Steine über eine Stunde lang die schönsten und gepäcktauglichsten Exemplare gesammelt hat).

Auf der Nordinsel erwartet uns nun eine vollkommen andere Landschaft (und auch wieder deutlich mehr Menschen). Also dürft Ihr gespannt sein, was ich von dort zu berichten habe…

Bis bald

Eure Mählina

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