Feuerland – Tierra del Fuego

Wie gut man sich doch fühlt, wenn man eine Nacht lang in horizontaler Lage so richtig schon geschlafen hat – komatös geschlafen hat, um genau zu sein. Blöd nur, dass der Wecker schon um 6.30 Uhr wieder los plärrte, weil wir um 8 Uhr von unserem “Privat-Shuttle” zum Wohnmobil-Vermieter gebracht werden sollten. Wir hatten ein echt schnuckeliges Hotel in Punta Arenas mit einem leckeren Frühstücksbuffet, bei dem wir es gut noch etwas länger ausgehalten hätten. Aber wir wollten ja – typisch deutsch – schön brav um 8 Uhr gestriegelt und gebügelt zum Abtransport bereitstehen. Aber dann: Von wegen südamerikanische Unpünktlichkeit! Da hatten wir förmlich erwartet, dass unser Shuttle-Service uns mit der angekündigten Verspätung abholen kommt. Aber nein: Carlos (unser Chauffeur) war 10 Minuten zu früh da. Und wir dann eben noch nicht startklar. Immer dieser Stress im Urlaub – flott alle Klamotten in die Taschen gestopft, alle nochmal Pippi und Abflug!

Unser Wohnmobil – nein, ich korrigiere: unseren Pick-Up mit Wohnkabine auf der Ladefläche – haben wir gut 45 Minuten außerhalb von Punta Arenas übernommen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes vom Hof eines Privathauses. Zum Glück sind die Vermieter Deutsche, so dass uns zumindest dort heute mal nicht alles Spanisch vorkam. Vom Vermieter haben wir uns noch Tipps für die Route der nächsten Tage geben lassen und dann ging’s auch schon los mit der Allrad-Rennsemmel unter Ar… Erste Verletzungen inklusive (Memo an mich: Daumen sollte man aus dem Türscharnier nehmen bevor man versucht, selbiges zu schließen).

Kleiner Schwank am Rande: Wir sind ja bekannterweise eingefleischte Norwegen-Fans und auch den dort einheimischen Postschiffen der Hurtigruten sehr verbunden. Ja und wen treffen wir da heute mal eben so kurz vorm Ende der Welt? Das brandneue Expeditions-Schiff aus der Hurtigruten-Flotte! Wir haben versucht, an Bord zu kommen, aber in Chile ist man da anscheinend nicht so offen, wie in Norwegen (wo wir letztes Jahr auf den Lofoten diverse Schiffe einfach mal so für ‘nen flotten Rundgang besichtigt haben).

Von Punta Arenas sind wir immer schön an der Magellanstraße entlang gefahren. Irre Gegend hier – und vor allem ganz schön viel davon. Kaum 24 Stunden in Patagonien und schon folgte ein Highlight dem anderen auf der “Ruta del fin del mundo” (der Route zum Ende der Welt): ein echt skurriles Schiffswrack auf dem Strand (inkl. eines freilaufenden Hundes, der uns auf Schritt und Tritt folgte und den ich gerne eingepackt hätte), Nandus (ein südamerikanischer Verwandter des Vogel Strauß), Guanakos (eine Lama Art), Adler, eine Eule, Schafe und ein (leider platt gefahrenes) Gürteltier. Zum Abschluss der heutigen Route stand die Überquerung der Magellanstraße an Bord einer Fähre auf dem Programm – und das alles bei traumhaft schönem Wetter!

Jetzt sind wir in Feuerland angekommen – am wortwörtlichen Ende der Welt – und hatten einen waaaaahnsinns (kostenlosen) Stellplatz für diese erste Nacht im Wohnmobil: direkt am Strand der Magellanstraße. Hatten den Tipp dafür aus einer Camper-App. Der Weg zu diesem Platz war allerdings etwas abenteuerlich: zwei Mal mussten wir Tore (oder besser gesagt bewegliche Zaunteile) öffnen und dann noch vorbei an einem als Mienenfeld markierten Areal. Wir haben nachts förmlich darauf gewartet, dass ein unwissend vorbei streunender Fuchs über das Feld latscht und mit riesen Radau in die Luft fliegt…

Aber der Übernachtungsplatz war dieses Abenteuer wert: Keine Siedlungen auf etliche Kilometer Umkreis, direkt am Wasser und vor allem mutterseelenallein (von etlichen Guanakos, Kühen, lustig bunten Gänsen, einer Eule und einem Fuchs mal abgesehen). Als Entertainment gabs dazu noch einen meeeeegaaaaa Sonnenuntergang – Hammer! Kann so weiter gehen!

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