Klappernde Zähne am Kap

Hallo Ihr Lieben,

nun sind wir am nördlichsten Punkt des europäischen Festlands angekommen: am Nordkap. Mit dem Schiff haben wir in Honningsvag angelegt. Von dort ging es mit dem Bus los gen Nordkap. Wir hatten Glück: Heute war die Tour möglich. Gestern noch mussten alle Ausflüge abgesagt werden, weil wegen heftigen Schneefalls die Straßen unpassierbar waren. Aber für uns hatte der Schneepflug heute alles schön freigeräumt.

Ist schon eine echt wilde Landschaft hier. Das Örtchen selber ist mini und kaum ist man über die Stadtgrenze gefahren, befindet man sich im Nichts. Überall rundherum schneebedeckte Berge und Hügel, keine Bäume und das wilde Meer. Aber: Es gibt hier auch eine »Copacabana« – einen winzigkleinen Strand, den die Einwohner im Sommer (wenn es denn auch hier mal 20 Grad warm wird) wohl auch gerne nutzen.

Der Himmel zeichnete sich im Dämmerlicht in wunderschönen Farben ab und tauchte alles in eine fast mystische Stimmung. Die dunklen Schneewolken in der Ferne haben das Ganze dann noch unterstrichen. Am Nordkap selber war natürlich großes Gewusel. Vier Busse waren mit uns zusammen dort. Aber auch da können wir uns glücklich schätzen: Im Sommer geht hier mal so richtig die wilde Luzi ab. Dann tummeln sich hier bis zu 70 Busse gleichzeitig.

Also haben wir einfach abgewartet und siehe da – nach 20 Minuten wurden es den meisten zu frisch draußen am Kap, sodass sich alle in die warme Besucherhalle verzogen haben. Der Ausblick vom menschenleeren Kap war super! Man steht direkt auf einer Felsklippe mit Blick in Richtung Nordpol (der von hier auch nur noch 2.100 km entfernt ist). So wahnsinnig kalt war es mit -8 Grad gar nicht. Aber der Wind pfeift einem oben auf der Felsklippe verdammt eisig um die Ohren. Die Landschaft ist komplett eingeschneit. Und wenn man mal einen kleinen Schritte neben den für die Touristen plattgewalzten Schnee macht, kann man auch schon mal knietief im Schnee einsinken. Diesen Spaß habe ich dann aber lieber Kirstin und Patrick überlassen und bin lieber im warmen Rucksack geblieben. Kirstin hat im Eifer des Schneegefechts einen ihrer Spikes an den Schuhen verloren, sodass sie von nun an alle vereisten Straßen und Wege der Reise einbeinig bespiket unterwegs sein muss. Oh ha…

Genug Spaß hatten wir also definitiv. Vor allem, wenn man dem Fachwissen der Mitreisenden lauscht… So belehrte ein Kollege vollkommen selbstsicher seine Frau darüber, dass wir ja hier nun am Nordpol und damit am nördlichsten Punkt der Erde wären… So, so, schau, schau… Schön waren außerdem die Virtuosen an der Fotokamera. Hauptsache die teuerste Ausrüstung am Start und dann versuchen, den Nordpol in der (ohnehin nicht sichtbaren) Ferne mit Blitzlicht zu fotografieren. Ganz großes Kino! Unsere Fotos sind dann doch ganz gut geworden, aber schaut einfach selber.

Um die Urlaubspost haben wir uns auch am Nordkap gekümmert. Kirstin hat sich extra ganz viel Mühe gegeben, alle Postkarten fertig geschrieben zu bekommen, damit wir sie hier in den nördlichsten Briefkasten Europas schmeißen konnten (was natürlich entsprechend andächtig zelebriert wurde). Damit sind es dann auch wirklich ganz besondere Karten. Denn die verwendeten Briefmarken kriegt man nur nach Überquerung des Polarkreises auf dem Schiff und der Poststempel kommt nun vom Nordkap.

Wir wollten uns kaum trennen. Also blieb nur noch ein klitzekleinbisschen Zeit fürs Shoppen übrig (was wir auch eifrig getan haben und das zu überraschend normalen Preisen – also norwegisch normal). Und dann musten wir auch leider schon wieder zurück zum Schiff. Dort angekommen hat uns ein wunderschönes Nordlicht-Spektakel am Himmel bei der Ausfahrt aus dem Hafen dann aber noch einen wunderschönen Abschied beschert. Was für eine wundervolle, rauhe und spannende Gegend!

Liebe Grüße und bis bald,

Eure Mählina

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